Der Weg des Geldes zum Konsumprodukt

Der Weg des Geldes zum Konsumprodukt

Artikel vom 20190103 aus der Kategorie Finanzen 

Kennen Sie Monopoly? Das ultimative Spiel zum Kapitalismus. Der Weg zum Monopol wird in spielerischer Weise erklärt. Anhand dieses Spiels kann man den Wert des heutigen Geldes anschaulich darstellen. Sie kaufen das Spiel für derzeit ca. 20 Euro und finden im Spiel Geldscheine im Wert von über 20.000 Euro. Es ist fiktives Geld, das für das Spiel benötigt wird. Ähnlich verhält es sich mit unserem wirklichen Geld. Das sogenannte "Giralgeld", also das Vermögen auf Ihrem Konto ist wertmäßig gerade mal zu ca. 10% gedeckt. Denn die Bank hat das Geld nicht, was auf Ihrem Konto als Summe angezeigt wird.


Den Anfang dieser Entwicklung kann unter anderem mit dem Vietnam-Krieg der USA in den Sechziger Jahren begründen. Um die Kosten des Krieges zu decken wurde unentwegt neues Geld gedruckt. Es war der amerikanische Präsident Richard Nixon dem das Geld ausging. Bis ins Jahr 1971 war der Dollar fest mit Gold verknüpft. Der Staat verpflichtete sich im Jahr 1944 für 35 Dollar eine Feinunze Gold auszugeben. Das war die Grundlage für den Dollar als Weltleitwährung. Das Geld hatte somit einen begründeten Wert und war noch das Wert, was auf der Note stand. Diese Verpflichtung konnte Amerika aufgrund seiner hohen Ausgaben für beispielsweise den Krieg nicht mehr garantieren. Am 15. August 1971 verkündete Nixon, das aus amerikanischen Interesse diese Goldbindung "temporär" aufgehoben wird. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Heutzutage leben wir in einer vollkommen verrückten Finanzwelt, die ohne diese damalige Entscheidung so wohl gar nicht existieren könnte. Mittlerweile kann selbst eine Bank Geld "drucken". Zwar kann eine Bank keine Banknoten herstellen, aber Sie kann Geld "virtuell" erzeugen. Wie das geht, möchte ich an einem Beispiel erläutern. Sie gehen zur Bank und benötigen einen Kredit in Höhe von 10000 Euro. Sie haben eine Sicherheit und die Bank macht mit Ihnen einen Darlehensvertrag. Die Bank generiert durch Ihre Zusage, das Geld innerhalb der Laufzeit zurück zu zahlen, auf Ihrem Bankkonto eine Summe von 10000 Euro. Diese neuen 10000 Euro auf Ihrem Girokonto sind jetzt aber nicht von einem anderen Kunden der Bank oder vom Eigenkapital genommen und Ihnen bereitgestellt, es wurde lediglich auf dem Konto "erstellt". Die 10000 Euro gab es vor Ihrer Vertragsunterzeichnung überhaupt nicht. Das Geld wurde als Giralgeld, also als Summe auf Ihrem Konto lediglich künstlich bereitgestellt.

Das Ganze ist zu einem fast undurchschaubaren System erwachsen. Um auf die Wertermittlung von ca. 10% des Nennwertes zu kommen, habe ich einfach die nach der Bankenkrise erneut erhöhten Kapitalquote der Banken entnommen. Nach der letzten Finanzkrise im Jahr 2008 durch nur eine Pleite einer großen Bank, wurde zur "Sicherheit" diese Kapitalquote von ca. 7,5% auf etwa 10,5% angepasst. Das bedeutet, wenn jeder sein Geld auf einmal von der Bank abheben wollte, könnte die Bank lediglich ca. 10% des jeweiligen Guthabens ausgeben. Der angegebene Betrag auf dem Geldschein ist somit in Wirklichkeit nur 10% seines Nennwertes. Wer sich mit dem Thema genauer inhaltlich auseinander setzen möchte, dem empfehle ich, sich über das "Baseler Rahmenwerk" zu informieren. Natürlich habe ich hier das Thema nur gestreift und es gibt noch viele weitere Kriterien, wie Banken an der Geldschöpfung mitwirken. Das Grundprinzip bleibt aber erhalten, die Unterschrift von Herrn Draghi auf den Euronoten ist kein Garant dafür, das Sie auch wirklich den Nennwert dafür erhalten. Das heutige Geld ist eine Art Ware geworden, die von einigen Akteuren auch als solche behandelt wird. Es wird nicht die letzte Finanzkrise gewesen sein, denn das Zocken mit unproduktiven Geld ist das Schmieröl für die gesamte Finanzindustrie geworden.

Weitere Informationen erhalten Sie zum Beispiel auf der Webseite der Bundesbank (externer Link)

 

Frank Bilstein
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